THEMA 2: WIE KÖNNEN FRAUEN ZUR LANDWIRTSCHAFT BEITRAGEN?
Mit der Gründung eines Agrarunternehmens können Frauen sowohl für sich selbst Chancen schaffen als auch Arbeitsplätze für andere Frauen anbieten. Der Erfolg der unternehmerischen Initiative wird von einigen Faktoren abhängen – der Rentabilität, dem Interesse der lokalen oder regionalen Gemeinschaft (oder der Nachfrage nach dem Produkt, der Dienstleistung), dem Standort und der Wachstumsperspektive.
Frauen gehen in der Landwirtschaft einer Voll- oder Teilzeitbeschäftigung nach. Es kommt darauf an, ob es sich um ihre Haupterwerbsquelle oder um eine zusätzliche Tätigkeit, wie ein Hobby, handelt. Frauen sind bisweilen auch Freiberuflerinnen, die für eine bestimmte Dienstleistung unter Vertrag genommen werden, z. B. Möbeltransport, Renovierung oder Gartenarbeit.
Frauen tragen zur Landwirtschaft bei, insbesondere in 4 Gebieten:
- Lokales/Regionales Produkt (kulinarisches Erbe)
- Kunsthandwerk/traditionelles Handwerk/ Bräuche und Rituale (kulturelles Erbe)
- Anbau von einheimischen Obst-, Gemüse-, Blumen- und Kräutersorten (Erhaltung der traditionellen Naturlandschaft und der Artenvielfalt)
- Soziokulturelle und sportlich-touristische Aktivitäten
Erwähnenswert ist auch, dass das Kunsthandwerk die Generationen zusammenbringt. Stickerei, Decoupage oder Quilling zum Beispiel sind Hobbys, die in ländlichen Gebieten Gegenstand von Workshops sein können, deren Produkte auf lokalen Basaren oder Festen verkauft werden, und die das Potenzial haben, sich in eine Geschäftsinitiative zu verwandeln.
Indem sie ihre Produkte oder Dienstleistungen anbieten, können Frauen zu Botschafterinnen der Landwirtschaft werden. An abgelegenen Orten und mit einer Idee für die Geschäftsentwicklung können sie als Vorbilder fungieren und für wieder fruchtbar gemachtes Land, verbesserte Standorte oder wertvolle Traditionen werben. Um die Leistungen der Frauen zu würdigen, wird jedes Jahr der Internationale Frauentag begangen, der zeigt, dass Frauen auf der ganzen Welt mehr zu sagen haben, als oft wahrgenommen wird.
Der Beitrag der Frauen zur Landwirtschaft lässt sich auch an Beispielen ablesen, wie Frauen die Landwirtschaft mit Hilfe digitaler Mittel fördern. Frauen sind sich oft mehr als Männer der Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Vernetzung bewusst, um sich gegenseitig in ihren unternehmerischen Aktivitäten zu unterstützen. Durch die Teilnahme an Netzwerktreffen oder lokalen Veranstaltungen können Agrarunternehmerinnen andere inspirieren und von ihnen lernen.
Frauen können auch neue Lösungen für die Modernisierung ihrer Betriebe vorschlagen, in Ausrüstung oder neue Technologien investieren, um ihre Betriebe wettbewerbsfähiger zu machen oder einen besseren Lebensstandard zu gewährleisten. Sie können auch Therapien anbieten, die den Kontakt mit Tieren nutzen. Das gestiegene Umweltbewusstsein der Gesellschaft sowie die Auswirkungen qualitativ hochwertiger Lebensmittel auf die Gesundheit, das Interesse an biologischen Lebensmitteln und die Auswahl von Lebensmitteln lokaler Erzeuger belegen den Bedarf an landwirtschaftlichen Betrieben, die sich mit der Erzeugung, der Ernte und dem Verkauf solcher Lebensmittel befassen. Mit dem Prinzip „vom Bauernhof auf den Tisch“ sind die Verbraucher bewusster geworden, was sie essen – aber auch sensibler, bei wem sie kaufen, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen. „Farm to Fork“ ist auch der Name einer Strategie der Europäischen Kommission (20.05.2020) zur Förderung eines fairen, gesunden und umweltfreundlichen Lebensmittelsystems, die darauf abzielt, den Ansatz der Lebensmittelproduktion zu ändern und hier einen globalen Standard zu setzen. Ein Hauptteil dieser Strategie ist die obligatorische Kennzeichnung der Herkunft des Produkts.
Unter Thema 6 von Modul 1 erfahren Sie, wie die EU Unternehmerinnen in der Landwirtschaft unterstützt.
Apropos Technologie: Auch in der Landwirtschaft gibt es Start-ups, die „upgrades“, also mehr Nutzen auf Basis traditioneller Geschäftsmodelle, wie z.B. Automatisierungen anbieten.
Welche Beispiele für Neugründungen von Agrarunternehmen durch Frauen gibt es in Europa?
Ein Beispiel für ein europäisches Start-up-Unternehmen, das Technologie in der Landwirtschaft eingeführt hat, ist das spanische Unternehmen VisualNAcert. Das Unternehmen hat eine Plattform entwickelt, mit der Landwirt:innen ihre landwirtschaftlichen Betriebe überwachen können [URL https://visualnacert.com/].
Ein weiteres Start-up-Unternehmen des Sektors, das Technologie einsetzt, ist „Ignitia“ aus Schweden. Sein Geschäft basiert auf einem digitalen Informationssystem zur Bereitstellung präziser Wettervorhersagen für landwirtschaftliche Betriebe in Form von SMS [URL https://www.ignitia.se/].
„Agroptima“ aus Spanien ist ein Agrar-Start-up-Unternehmen, das eine App entwickelt hat, mit der sich landwirtschaftliche Betriebe über den Bildschirm von Smartphones verwalten lassen [URL https://www.agroptima.com/].
Einige weitere interessante Beispiele für Neugründungen in der Landwirtschaft:
Das in Deutschland ansässige Unternehmen „Dahlia Robotics“ bietet Unkrautentfernung durch einen Roboter an [URL https://dahliarobotics.com/].
„INFARM“, mit Sitz in Deutschland, bietet „Landwirtschaft in der Datencloud“ [URL https://www.infarm.com/]
Das in Schweden ansässige Unternehmen IRRIOT bietet die drahtlos gesteuerte Bewässerung an [URL https://www.irriot.com/].
Die genannten Lösungen zeigen, dass die traditionelle Landwirtschaft durch Technologie verbessert werden kann. Sie muss aber trotzdem nicht die einzige Einkommensquelle bleiben, sondern kann durch neue Tätigkeitsfelder ergänzt werden.
Die traditionelle Landwirtschaft wird auch weiterhin eine wichtige Grundlage sein, da sie der Kernprozess zur Erzeugung von Lebensmitteln ist und eine Abhängigkeit vom Weltmarkt im Bereich Nahrungsmittel verhindert. Sie kann aber zusätzlich durch neue Geschäftsideen ergänzt werden, die auf einer Nachfrage nach neuartigen Produkten, einer immer besseren Produktqualität und einem besseren Management der Produktions- und Verteilungsprozesse basieren. Ein Beispiel für eine solche Modernisierung ist der Großbetrieb „Marguerice“ aus Frankreich. Er ist ein Molkereibetrieb der sich vom Verkauf von Milch über den Anbau von Mais und Gras für die Rinder bis hin zur Einführung einer eigenen Milcheismarke weiterentwickelt hat. Der Kopf der Entwicklung war Nienke Marguerice, die sich von der Bäuerin zu einer zu einer erfolgreichen Agripreneurin entwickelt hat. [URL https://www.glaces-marguerice.com/].
Eine modern und sensible betriebene traditionelle Landwirtschaft kann ebenso wie ökologische Landwirtschaft zum Schutz der natürlichen Ressourcen und zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen und helfen, die bäuerliche Kultur zu bewahren